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Back to roots. In drei Tagen halte ich einen Vortrag zum Thema Marketingkonzept. Ich hatte der Organisatorin mehrere Themen aus meiner Arbeit angeboten, aber sie hat sich für das Konzept entschieden. Das hat mich gewundert. Bisher dachte ich, das Thema Konzept steht in der Beliebtheitsskala auf gleicher Stufe mit der Steuererklärung. Vielleicht doch nicht.

Das Thema Marketingkonzept ist ein Evergreen. Wirklich! Auch wenn die Welt der Marketingmaßnahmen einem ständigen Wandel unterworfen ist, die Regeln nach denen ein Marketingkonzept erstellt wird, bleiben gleich.

Mit dieser Reihe möchte ich zeigen, wie ein Marketingkonzept erstellt wird. Ganz praktisch mit vielen schlüssigen Beispielen. Aber heute beantworte ich erst einmal ein paar allgemeine Fragen.

1- Was muss in ein Marketingkonzept?

Ein Marketingkonzept besteht aus mehreren Teilen. Je nach Art des Business und nach Phase des Unternehmens sind diese Teile mehr oder weniger umfangreich. Eine Heilpraktikerin in Gründung hat andere Anforderungen als ein Mittelständler vor einem Produktrelaunch.

Bei mir besteht ein Konzept aus mindestens 5 Teilen. Bei ganz großen Konzepten ist es sinnvoll, die Teile noch weiter zu unterteilen:

  • Analysephase. Bewertung der IST-Situation mit der Frage: Wo stehe ich?
  • Definition des/r Marketingziele / Strategie: Wo will ich hin?
  • Definition der Zielgruppe/n: Wer sind meine Zielgruppen?
  • Festlegung der Marketingmaßnahmen: Wie oder womit erreiche ich die Zielgruppen?
  • Umsetzung und Kontrolle: Wann und in welcher Zeit sollen die Ziele erreicht werden? (Und was ist, wenn ich sie nicht in der festgelegten Zeit erreiche?)

2- Was benötige ich für ein Marketingkonzept?

Eine Checkliste ist nicht schlecht. Eventuell ein Buch oder eine Anleitung aus dem Internet.
Einen Zettel und ein Stift bzw. ein Laptop.
Wichtiger sind allerdings Willen und Ehrlichkeit, eine Portion Selbstreflexion und die Fähigkeit über den eigenen Teller zu gucken.

Eventuell hilft Dir ein Marketingcoach.

3- Muss ich das Konzept der Reihe nach und komplett umsetzen?

Nein. Du musst nicht alles so umsetzen. Das Marketingkonzept erfüllt mehrere Ziele. Es zeigt u.a. wo Du stehst, wer und wo Deine Kunden sind oder welche Marketingmaßnahme überhaupt zu Deinem Budget passt. Vielleicht machst Du auch vieles intuitiv (richtig) und musst das gar nicht so explizit ins Konzept aufnehmen.

Meist bringt es schon etwas, wenn Du die IST-Situation ehrlich bewertest. Und die Vogelperspektive einnimmst. Denn das ist meiner Meinung nach überhaupt das Wichtigste, aber nicht so einfach. Das sehe ich tagtäglich. Vielen fällt es schwer, die Perspektive zu wechseln und ihr Business zum Beispiel aus der Warte der Kunden, der Webseiten-Besucher, der Mitarbeiter, der Lieferanten zu betrachten.

4- Marketingkonzept?! Wer braucht denn sowas?

Ich glaube bei vielen erzeugt das Wort MARKETINGKONZEPT Widerwillen. Vielleicht liegt es an dem Wort Konzept. Das hört sich groß und aufwendig an. Leider gibt es kein Synonym dafür.

Keine Zeit. Brauche ich nicht. Bringt nichts. Zu aufwendig. Zu teuer….

Stopp.

Vergiss alle Vorurteile, die Du im Kopf hast. Da musst Du durch. Jedes Unternehmen muss da durch.
Zu Beginn in der Gründungsphase sowieso. Ein Marketingkonzept ist Teil des Businessplans.

Aber auch gern mal zwischendurch, kannst Du Dir einen Plan machen. Zum Beispiel am Anfang eines Jahres. Aber vor allem immer dann, wenn etwas nicht gut läuft. Bleiben die Kunden weg? Zu wenig Umsatz? Dann ist es Zeit die Konzeptmaschine anzuwerfen.

Wichtig ist ein Konzept immer dann, wenn Du etwas in Deinem Business ändern willst. Ein neues Produkt soll eingeführt werden? Du willst Deine Leistungen zu einem anderen Paket verschnüren? Dann setz Dich hin und mache Dir einen Plan.

5- Wer liest denn das überhaupt?

In erster Linie machst Du Dir das Konzept für Dich selber. Von daher ist die Form auch nicht so wichtig. Wenn das Marketingkonzept Teil eines Businessplanes ist, dann werden es u.a. zukünftige Stakeholder oder Geldgeber lesen. Dann sollte vorzeigbar sein.
Sieh einfach zu, dass Dein Konzept inhaltlich Antworten auf die 5 Fragen liefert.

Auch wenn Du Deinen Plan im Kopf hast, kann es nicht schaden einige wichtige Punkte auf das Papier zu bringen. Wenn es da so “schwarz auf weiß” steht, hat es eine andere Wirkung, als wenn Du eine flüchtige Idee im Kopf hast.

6- Brauche ich fachliche Hilfe dazu?

Vielleicht. Es kommt darauf an, ob Du Vorwissen im Bereich Marketing hast. Was hast Du vor?

Ich glaube für die Bewertung der Ist-Situation braucht es kein spezielles Know-how. Eine aufwendige Online-Befragung der Kunden erfordert dagegen Fachwissen. Es ist gar nicht so einfach einen guten Fragebogen zu entwerfen.

Auch werden Dir vielleicht nicht alle Marketingmaßnahmen, alle Möglichkeiten und ihre Wirkungen bekannt sein.
Ich will Dir nicht raten, das Marketingkonzept von jemanden Fremden erstellen zu lassen. Aber vielleicht hilft Dir ein Coach, der mit Dir alles Schritt für Schritt durchgeht und Dich mit seinem Wissen begleitet?

7- Wie viel Zeit muss ich für ein Marketingkonzept einplanen?

Diese Frage kann ich nicht pauschal beantworten. Wenn Du zum Beispiel eine Kundenbefragung durchführen möchtest, solltest Du die Zeit für Fragebogendesign, Durchführung und Auswertung einplanen. Ich muss auf oben verweisen. Es kommt darauf an, was Du vorhast.

8- Wie lang muss ein Marketingkonzept sein?

Dafür gibt es keine Richtlinie. Ist inhaltlich alles abgehakt? Das ist entscheidend.

Es verlangt kein Mensch ausformulierte Sätze.

Wichtig ist alles in Gedanken durchzuspielen. Hast Du Deine Zielgruppe vor Augen? Für wen machst Du das alles? Schreib es auf. Gern auch in Stichpunkten. Auch müssen keine Bilder oder professionelle Grafiken in ein Marketingkonzept. (Vor allem Männer neigen dazu, alles grafisch darzustellen.) Magst Du Grafiken? Gehen sie Dir leicht von der Hand und bringen sie dem Nutzer einen Mehrwert? Dann pack sie ins Konzept. Wenn nicht, dann lass es sein.

 

In einem nächsten Beitrag gehe ich die einzelnen Teile durch und beschreibe, worauf es ankommt. Wenn Du Fragen hast, melde Dich.

Marketing funktioniert nicht bei jedem gleich. Aber es gibt fünf Dinge, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Willen „Tue was Du willst, aber mit ganzen Herzen.“

Das hört sich banal an. Klar, muss man WOLLEN. Eine Selbstverständlichkeit? Von wegen! Viele machen Marketing, „weil es dazu gehört“ oder „weil man es so macht“. Und das ist übrigens auch der häufigste Grund fürs Scheitern. Wenn man nicht hinter “seinem” Marketing steht, es nicht aus tiefsten Herzen will, dann funktioniert es auch nicht.

Insbesondere beim Social Media Marketing begegnet mir das sehr häufig. Da soll eine Facebook-Präsenz her, aber nur fürs Unternehmen. Sonst will ich mit diesem Zeugs nichts zu tun haben. Aha! Und das soll dann funktionieren?

Mein Tipp: Weniger ist mehr. Horche in Dich hinein. Was willst Du wirklich? Marketing wird nur funktionieren, wenn Du dahinterstehst. (Und nicht jeder muss auf Facebook sein.)

Ehrlichkeit – „Ehrlich währt am längsten.“

O ja. Ehrlich sein. Vor allem erst einmal zu Dir, wenn Du herausfinden willst, welches Marketing zu Dir passt.  Will ich diesen Marketingkanal überhaupt bespielen? Nein? Prima! (Dann gibt es viele andere Kanäle und Maßnahmen, die zu Dir passen.)

Und dann musst Du ehrlich zu Deiner Zielgruppe sein, zu Deinen Mitarbeitern, Kunden und Patienten. Ehrlichkeit ist vor allem dann wichtig, wenn es darum geht negative Aspekte zu kommunizieren. Aber noch wichtiger ist, Ehrlichkeit im Sinne von Authentizität. Der moderne User / Kunde lässt sich nicht vergackeiern. Das, was Du da von Dir gibst, muss stimmen. Obwohl wir in Zeiten alternativer Fakten leben, arbeite ich nach dem (konservativen) Motto: „Ehrlich währt am längsten“

Gründlichkeit – “Was Du machst ist egal, mache es gescheit.”

Marketing muss gründlich sein. Insbesondere in der Analysephase. Was sind meine Stärken? Was meine Schwächen? Wer sind meine Konkurrenten? Wie entwickelt sich das Umfeld? Für ein Marketingkonzept nimmt man dafür eine SWOT-Analyse her. Ich gebe zu, an manche Informationen kommt man nicht hoppla-hopp. Aber Gründlichkeit in der Recherche und auch in der Konzeption einer Strategie werden sich auszahlen. Nehmen wir man an, Du willst eine Pizzeria eröffnen. Und Du weißt nicht, wie viele andere Pizzerien es in der Stadt gibt. Fatal. Hier könnt Ihr in einem älteren Artikel von mir nachlesen, wie wichtig eine gründliche Analyse ist.

Geduld – „Steter Tropfen höhlt den Stein“

Geduld. Und das in Zeiten, wo die News vom Morgen schon zum Schnee von gestern zählen. Wenn Ihr vorhabt, dass Euer Unternehmen LANGFRISTIG erfolgreich ist, dann müsst Ihr Euch auf eine Geduldsprobe einlassen. Kleine Regel: Schnelle Maßnahmen – kurzfristige Wirkung, gut überlegte Maßnahmen – langfristige Wirkung. Manchmal braucht es ein paar quick wins, also schnelle Erfolge. Aber wenn, dann nur begleitend, grundsätzlich stehe ich auf langfristige Maßnahmen.

Mut – „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“

Ja, Marketing erfordert Mut. Denn meistens geht es um etwas Neues, Unbekanntes. Aber auch schon vorher, braucht es Mut: Es erfordert Mut zu erkennen, dass es nicht wie geschmiert läuft, dass Du etwas tun musst. Mutig ist auch, Geld in die Hand zu nehmen und ins Marketing zu investieren. Vor allem in Zeiten, in denen es nicht so gut läuft. Mutig ist, sich einzugestehen, dass man bestimmte Dinge nicht kann oder keine Zeit zu dafür zu haben. Hilfe zu holen, ist auch mutig.

Und dann erfordert Marketing auch Mut, wenn es nicht funktioniert. Das weiß man aber nicht vorher. Deswegen ist es so wichtig, alles auf Erfolg zu überprüfen. Kontrolliere alle Deiner Marketingmaßnahmen. Google Adwords bringt nichts? Gut. Dann abschalten. (Und etwas Anderes probieren). Blog funktioniert gut? Dann weitermachen und besser nutzen. Probiere es aus. Sonst wirst Du es nicht wissen.

In diesem Sinne viel Marketingerfolg.

 

Bild: Auf dem Weg zum Hochgern.